Madeira '09 - zwei Wochen Wandertour

ein kurzer Reisebericht inklusive Fotos



 

Mit meinem Kumpel Michael beschlossen wir zum damaligen Zeitpunkt eine etwas umfangreichere Wandertour zu planen.

Die grobe Zielrichtung war relativ schnell gefunden und letztendlich Madeira endgültig als geeignete Spielwiese für unser kleines Abenteuer ausgewählt.

Bepackt mit einem 75 Liter Rucksack und der Kamera ging es per ICE zum Frankfurter Flughafen, und logischerweise per Flieger in 4-5 Stunden auf den Hauptstadtflughafen der Insel Madeira, nach Funchal. Die Landebahn des Flughafens ist teilweise auf Säulen errichtet und mutet wie ein großer Flugzeugträger an, sodass selbst die Landung schon etwas abenteuerlich war.

Madeira selbst befindet westlich von Marokko im Atlantik, gehört politisch jedoch zu Portugal.

 

Nach erfolgreicher Landung musste sich orientiert werden, was zum Gang in die Innenstadt führte. Dort wurde auf Grund der schon fortgeschrittenen Zeit ein kleines Hostel ausgewählt, um die erste und vorerst letzte Nacht in der Zivilisation bequem zu verbringen.

Am Folgetag ging es steil bergauf, von der Hafenstadt Funchal in Richtung Bergland und Wald. Eine obligatorische Madeira Mütze (wie sie die Bauern etc. urtümlich getragen haben und immernoch tragen) wurde käuflich erworben. Danach führte der Weg entlang von Levadas (zur Wasserversorung künstlich errichtete Wasserkanäle, welche sich über die gesamte Insel erstrecken und ein ausgeklügeltes Versorungssystem darstellen) mitten in die Natur, entlang von Obstplantagen, Farmen, durch Urwälder und kleine Dörfer.

Die Zeltplätze wurden immer spontan gewählt, wodurch man frühs nie wusste, wo man letztendlich abends landen wird.

Auch die Routenführung war entsprechend spontan, sodass manche kurze Strecken auch per Anhalter gefahren wurden. Ansonsten hieß das Motto: Laufen, Laufen, Laufen.

 

An der Rancho Santana fanden wir bei den Gastgebern und dem dortigen Hausmeister, dem Ukrainer Yuri, sogar zwei mal einen luxuriösen Zeltplatz. Direkt nebenan betrieb die Ranch eine kleine Bar, wo sich des öfteren mal ein Bier gegönnt wurde. 

 

In den darauf folgenden Tagen wurde der höchste Berg Madeiras, der Pico Ruivo (1862 m) bei allerbestem Wetter erklommen. Der Weg führte von dort direkt über schmale Bergpfade zum Pico Arieiro (1818 m), dem dritthöchsten Berg der Insel. Dort wurde auf einem Hochplateau das Zelt bei starkem Wind und in Anwesenheit dreier wilder Hunde, welche jedoch vornehmlich Abstand zu uns hielten, aufgebaut.

Das Einschlafen war auf Grund der alltäglichen Strapazen und körperlichen Anstrengungen nie ein vorhandenes Problem. 

 

Auch die nördliche Inselseite wurde, per ausnahmsweise gegönnter Busfahrt, über die Ortschaften Porto da Cruz , Santana, Boaventura, Sao Vicente bis nach Porto Moniz besucht. Dort wurde der örtliche Campingplatz in Beschlag genommen und das nahegelegene Meerbad - Atlantikbad in Porto Moniz zum Baden getestet. Auf Grund sehr stürmischer See wurde ich natürlich in einen Badeunfall verwickelt, welcher zu einer handtellergroßen Schürfwunde am rechten Rippenbereich führte und in den folgenden Tagen fein verkrustete. Zum Glück war eine schwerwiegendere Verletzung nicht entstanden. Festzustellen ist, dass Lavagestein sehr scharfkantig sein kann.

 

Durch zwei freundliche Schweizer Urlauber wurden wir dann per Anhalter mit zum Hochplateau Paul da Serra gefahren. Dort wanderten wir zu beeindruckenden Wasserfällen "25 Fontes" und "Cascada da Risco" . Am "Cascada da Risco" wurde sich dann ein umfangreiches Mittagsmahl (trocken Brot und Dosenfisch) gegönnt. Der weitere Weg führte weiter über das Hochplateau, über weite Felder und Wiesen bis zu einem geeigneten Zeltplatz mitten im Nirgendwo. Wie auch jeden Abend gab es per Gaskocher selbst zubereitetes Essen (Suppe, Nudeln, Brot, Dosenfisch) und eine frühe Bettruhe. 

 

In den folgenden Tagen führte die Wanderung zum Nonnental (Curral das Freiras), welches das Gebirge von Nord nach Süd durschneidet.

Hier gab es nach einem Aufstieg zu einem Grat den wohl schönsten Zeltplatz der Tour. In Anwesenheit zweier sich paarender Wildschweine, welche es ab und zu, zu vertreiben galt, zog starker Nebel auf. Kurz darauf löste sich dieser und der Blick war frei auf einen Sonnenuntergang, und den darunter liegenden Wolken. Ein Anblick, den man so schnell nicht mehr vergisst. Es folgte eine Fotoorgie und nach Abflauen des Wetterphänomens der Bettgang.

 

Als letzte Etappe der Tour war die Halbinsel Sao Lourenco (Sao Lorenzo) am östlichen Ende der Insel geplant. Auf dem Weg dorthin ist übrigens eine Übernachtung im Zelt am Steinstrand von Porto da Cruz sehr zu empfehlen, da die leichte Flut, welche Nachts hereinbrach uns etwas ins Schwitzen brachte, für angenehme Spannung sorgte. Letztendlich ging alles gut.

 

Allerdings stellte sich bei mir nun eine leichte  Grippe ein. Bemerkbar durch absolute Appetitlosigkeit, Fieber und körperliche Schwäche. Nichtsdestotrotz wurde der Wanderpfad am Steilhang der Nordinsel Richtung Sao Lorenzo begangen. Trotz äußerst langsamen Gehtempos meinerseits wurde die Halbinsel irgendwann erreicht. Die Insel ist im Gegensatz der restlichen äußerst grün wirkenden und bewachsenen Insel karg, ocker und wüstenähnlich. Ein Zeltplatz direkt am Steinstrand wurde gefunden und konnte durch mich leider nur teilweise genossen werden. Ansonsten ein wirklich beeindruckender und perfekter wilder Zeltplatz.

Da in einer gut sortierten Wanderausrüstung auch Medikamente nicht fehlen dürfen, bescherten mir Paracetamol eine einigermaßen bekömmliche Nachtruhe. Gefühlt war jedoch der Schlaf als nicht ausreichend zu bezeichnen.

 

Am Folgetag, dem letzten Tag des Abenteuers, benutzten wir erneut ein öffentliches Verkehrsmittel um nach Machico zu gelangen. Nach kurzem Stadtrundgang wurde entschieden, ein kleines Hotelzimmer vor dem Abflug zu buchen. Schließlich wollte man nicht völlig verwahrlost und stinkend am Frankfurter Flughafen aufschlagen.

Nach zweiwöchigem Verzicht auf Bett, Toilette und TV wurden die bezeichnenden Gegenstände einer Zivilisation danken angenommen und wieder schätzen gelernt.

 

Der am nächsten Tag wieder von Funchal stattfindende Rückflug verspätete sich um einige Stunden, da ein auf dem Atlantik wütender Sturm diesen verhinderte.

Letztendlich ging der Flieger in die Luft und man konnte in der Höhe ein parallel zum Flugzeug stattfindendes Gewitter bestaunen.

Zurück in Frankfurt galt es noch einige Stunden bis zum 05:00 Uhr morgens startenden Zug nach Hause totzuschlagen.

Irgendwann kam auch dieser und man erreichte wieder die gute alte Heimat.